Nicht einsteigen!

Feb. 21, 2026 | Blog | 0 Kommentare

Es gibt sie – diese Züge. Sie begegnen uns täglich. Und das, was mich daran fasziniert ist, dass auf diesen Zügen nicht steht: Nicht einsteigen!

Ganz im Gegenteil, es scheint selbstverständlich, den Zug „zu nehmen“.

Wovon schreibe ich?

Ich schreibe von Situationen im täglichen Leben, die Irritationen hervorrufen. Situationen, auf die ein Teil von uns wie selbstverständlich „aufspringt“ und sich von ihnen vereinnahmen lässt. Darin liegt eine Gewohnheit und die Geschichte, die wir uns dazu oftmals sehr plausibel selbst erzählen und die in der Regel schon sehr alt ist.

Ein Beispiel: Ich rege mich über etwas auf, was ich nicht in Ordnung finde. Wenn ich die Situation persönlich nehme, passiert es leicht, dass ich mich mit meinem Ärger identifiziere. Dadurch erlebe ich mich als Opfer der Situation. Ich habe das Bedürfnis mich zu wehren und konfrontiere den/die Urheber:in mit meiner „Beschwerde“. Ich mache ihn/sie durch meine emotionale Ladung, zum/zur Täter:in. Die Wucht, die in meiner „Beschwerde“ liegt, lässt wiederum mein Gegenüber zum Opfer werden. Das niedere Drama nimmt seinen Lauf.

Woraus entsteht emotionale Ladung?

Emotionale Ladung wird aus alten Geschichten gespeist und deren unverarbeiteten Verletzungen. Oft sind sie an tief verankerte Glaubenssätze (Überzeugungen) gekoppelt, die zum Beispiel so lauten können: „Ich bin nicht wichtig!“. Daraus entstehenden tief verinnerlichte Befürchtungen wie: „Ich werde nicht gesehen… Ich werde nicht gehört.“

So entsteht eine Ladung, durch die die Reaktion bei weitem heftiger wird, als es der gegenwärtigen Situation angemessen wäre.

Angemessen?

Allein dieses Wort erzeugt in mir Widerstand. „Angemessen“… So oft wurden in frühen Jahren Bedürfnisse herunter gespielt und/oder abgewertet, weil mein Umfeld sich damit nicht auseinandersetzen wollte oder konnte.

Ein neues, gesundes Maß zu entwickeln, braucht Übung. Und korrigierende Erfahrungen.

Nicht einsteigen

Ja, es gibt sie – diese Situationen, die uns in den Kampfmodus versetzen und nicht selten weiteres Leid erzeugen.

Wie viel Energie folgt da welcher Aufmerksamkeit? Und wo führt mich meine Aufmerksamkeit hin?

Es braucht Achtsamkeit, die Fähigkeit innezuhalten, was regelmäßiges Üben/Praxis fordert, um der reflexhaften Gewohnheit einen solch (alten) Zug zu besteigen, zu widerstehen. Zu erkennen, dass das gerade ein Zug ist, der da naht. Und Bewusstheit darüber, dass ich (zunehmend) in der Lage bin, zu entscheiden: steige ich (mal wieder) ein und lasse mich ein weiteres Mal von alten Geschichten bestimmen? Oder gelingt es mir innezuhalten, bewusst zu wählen und neue Möglichkeiten erwachsen zu lassen durch meine Entscheidung: Nicht einzusteigen!

 Unter die Räder gekommen

Manchmal jedoch trifft es uns wie ein Blitz. Eine überraschende Situation, ein unerwarteter Kommentar und in Lichtgeschwindigkeit landet etwas tief in uns, fernab von der Möglichkeit noch wählen zu können. Wir sind „unter die Räder“ geraten.
In Sekundenbruchteilen kann es uns innerlich zerlegen. Wir fühlen uns fragmentiert. Unsere Kraft bricht weg. Große innere Not breitet sich aus. Funktionieren fällt schwer. Wir sind wie gelähmt und aus unserer Mitte gefallen.

Dann braucht es zuerst eines: Erkennen. Mitgefühl mit uns selbst und Anerkennung für unsere Not.

Es braucht Zeit. Drucklosigkeit. Die innere Erlaubnis zu Rückzug.
Und idealerweise Co-Regulation – den Kontakt mit einem zugewandten, schwingungsfähigen Menschen, über den Verbundenheit wieder erfahrbar wird. Auch hier eröffnet sich die Möglichkeit einer korrigierende Erfahrung.

Wichtig zu wissen ist: es kann Tage dauern, bis der Stress der Aktivierung Schicht für Schicht abfließt.

Die gute Nachricht ist: Es geht vorbei!