Wir leben in einer Gesellschaft, in der es normal zu sein scheint, unter Druck zu stehen. Wir sind dazu konditioniert, über Leistung und Anstrengung unser Leben zu bestreiten. Das funktioniert nach außen hin oft genug – irgendwie.
Je nachdem, wie stark und andauernd der Druck ist, passiert aber innerlich noch etwas anderes: wir trennen uns von unseren Gefühlen. Wir halten die Luft an. Wir drosseln unsere Wahrnehmung und unseren Körpersinn. Doch zu welchem Preis?
Der Preis ist eine Dauerspannung und ein hochtourig laufendes Nervensystem.
Beides etwas, was Verbindung verhindert und uns in der Illusion der Trennung verharren und „überleben“ lässt. Ein (zu) hoher Preis finde ich.
Ein weiteres Resultat davon: wir erschöpfen uns.
Mangel an Verbindung
Der Mangel an Verbindung interessiert mich und ich forsche nun schon eine Weile damit. Gestern war ich z. B. zu einer Abendrunde draußen in der Natur unterwegs. Schon bald merkte ich, dass ich mich erschöpft fühlte und die Motivation spazieren zu gehen sank und einem inneren Kampf wich. Ich wollte diese Erschöpfung nicht.
Und was mache ich, wenn ich etwas nicht will und in den eigenen Vorstellungen gefangen bin? Ich gehe in den Widerstand mit der Situation und beginne mich unter Druck zu setzen. Antrieb über Anstrengung. Eines meiner Überlebensmuster im Einsatz.
Kennst du dieses Verhaltensmuster? Wo in deinem Alltag widerfährt dir ähnliches?
Was gibt es zu (ver-) lernen?
Der erste Schritt in die Veränderung ist wahrzunehmen: was mache ich da eigentlich?
Ich hatte keinen Termindruck, doch ich war damit beschäftigt „etwas“ – in diesem Fall meinen Spaziergang – hinter mich zu bringen, um dann wieder zuhause sein zu können.
Meine Übung war auf diesem Spaziergang, immer wieder stehen zu bleiben, innezuhalten, sobald ich merkte, dass ich mich schon wieder anstrengte und mein Körper sich über Erschöpfung bemerkbar machte. In der Regel konnte ich dann feststellen, dass ich mich wiederholt im Getrieben-Sein erlebte, innerlich immer wieder mit dem Ziel beschäftigt war, anstatt mit dem Moment in Verbindung zu sein. Ich merkte, dass ich meinen Körper „benutzte“ für die Idee eines Spaziergangs mit dem Ziel, diesen „hinter mich zu bringen“ – innerlich abwesend, kämpfend. Krass oder?
Ich vermute, dass Zustände wie Burnout viel damit zu tun haben, geradezu chronisch außer sich zu sein. Mit Zielen befasst und mit Durchhalten. Tatsächliche oder vermutete Pflichten hinter sich zu bringen. Sich zu veräußern über einen erlernten Druck und dem langfristig oftmals krankmachenden Vermeiden zu Fühlen.
Was könnte Druck mit Überlebensstrategien zu tun haben?
Ich gehe davon aus, dass Druck eine Überlebensstrategie ist. Überlebensstrategien entstehen zu großen Teilen in Zeiten, in denen wir altersbedingt keine Alternativen hatten, um mit herausfordernden Situationen anders umzugehen. Sie sind alt, laufen oftmals automatisch ab und gehören in eine andere Zeit.
Um sich heute für neue Möglichkeiten öffnen zu können, braucht es die Fähigkeit, den eigenen Körper und seine Sinne mit ihren Hinweisen wahrzunehmen. Es braucht die Bereitschaft und den Mut, Gewohntes zu unterbrechen, langsam zu werden, um in einer tieferen Verbindung mit sich selbst, neue Möglichkeiten im eigenen Verhalten zu entdecken.
Ein Grund, weshalb ich so eine begeisterte Körpertherapeutin bin. Denn genau dort, setzen die in meinen Seminaren angebotenen Erfahrungsräume an.

