Wenn wir von Regulation sprechen, denken die meisten von uns vermutlich daran, „unangenehme“ Gefühle beenden oder kontrollieren zu können. Gefühle wie Trauer, Scham, Wut oder Angst – ebenso wie Empfindungen von Schmerz, Unsicherheit, Ohnmacht oder Überforderung, um nur einige zu nennen.
Was uns dabei oft weniger in den Sinn kommt: Auch ein gewünschtes und willkommenes Gefühl wie Freude kann unter Umständen Regulation brauchen. Vielleicht kennst du das auch – dieses vor Freude und Glück nicht einschlafen können. Etwas in dir findet schwer zur Ruhe, weil der innere Druck, den Freude und Glück erzeugen können, einer Entspannung entgegenwirkt.
In diesem Zusammenhang möchte ich eine Möglichkeit der Regulation vorstellen, die ich unlängst für mich entdeckt habe. Unser „Sozialnerv“, der Vagus (im vorderen Ast des Parasympathikus), hat in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit bekommen. Wir wissen, dass dieser Nerv vor allem im oberen Bereich unseres Körpers verortet ist. Konkret bedeutet das, dass wir ihn unter anderem über den Kiefer, das Gesicht, die Augen, den Nacken, den Brustraum, den Bauch sowie über bewusstes Atmen stimulieren können – was regulierend wirken kann.
Mich selbst fasziniert dabei besonders der Mundraum, der Bereich um Kiefer und Wangen. Ich glaube z. B., dass es kein Zufall ist, dass viele von uns versuchen, sich über Essen zu regulieren. Eine Form oraler Beruhigung, die sich vielleicht auch im Griff zur Zigarette zeigt. Schon als Säuglinge bekommen wir einen Schnuller zur Beruhigung in den Mund gesteckt, oder als Kleinkind eine Breze, an der wir „nuckeln“ können.
Was ich für mich entdeckt habe, ist, wie entspannend und sinnlich sich der bewusste Kontakt meiner Wange und eines Teils meines Mundes mit dem Kopfkissen in Seitenlage anfühlt. Die Assoziation, die dabei in mir aufkam, war: Vielleicht erinnert sich etwas in mir daran, wie ich mich als Säugling an die Brust meiner Mutter geschmiegt habe.
Vielleicht hast du Lust, das einmal ganz bewusst auszuprobieren?
Sicher ist: Es gibt Möglichkeiten, sich auf gesunde Weise zu regulieren. Unser Körper ist in der Lage, uns dorthin zu führen. Ein Grund, weshalb ich so leidenschaftlich Erfahrungsräume anbiete, die uns über den Körper erinnern lassen, was uns in eine innere Balance bringt.

