Wut

Hallo Du!

Samstag vor einer Woche habe ich an einem Wuttraining teilgenommen. Gut, das ich dort war! Ein Satz, der mich erst einmal irritierte war die Aussage:

"Wut macht den Raum sicher."

Wut, so wie ich sie bisher kannte, ist destruktiv, gefährlich, nicht angebracht und zerstörerisch, um nur ein paar der mir so vertrauten Prägungen zu nennen. Mehr als ein Grund sich dafür zu schämen und Zurückhaltung zu üben.

Nun, im Possiblity Management (nach Clinton Callahan) gibt es eine Zuordnung: die alte Landkarte der Wut und die neue Landkarte der Wut. Die alte Landkarte enthält in der Tat destruktive Eigenschaften. Hier ist der Umgang mit dem Gefühl Wut geprägt von "gegen etwas" sein. Der Fokus liegt im Außen und darin, etwas zu bekämpfen. Sie ist der Boden für gelebte Dramen, für Opfer-Täter-Retter-Dynamiken.

Auf der neuen Landkarte der Wut wird deutlich, dass es sich um eine neutrale Energie handelt mit der Information "für Dich". Diese gelebte Wut-Energie mobilisiert Kraft, bewegt, wirkt konstruktiv, klärt, setzt Grenzen, macht es möglich, eigene Grenzen zu öffnen, wirkt aus der Zentrierung heraus, ist der Boden für Authentizität und gelebte Leidenschaft im Kontakt. Sie macht ein Ja oder ein Nein möglich, ermöglicht Eigenständigkeit und Integrität. Diese Energie hilft uns dran zu bleiben, wenn es schwierig ist und hat einen Draht zu dem, was wirklich in uns brennt.

Es braucht die Erwachsenen in uns, mit der Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung, der Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Fühlen (meine Gefühle) zu übernehmen und zu differenzieren. Um dafür zu gehen braucht es wiederum Wut-Energie. Wut-Energie, für den Mut zur Auseinandersetzung mit dem was ist.
Und es braucht Menschen, die bereit sind mit dir zu trainieren, die daran interessiert sind, dass du in deine Kraft kommst, bereit dir Feedback zu geben und zu wachsen. Er-wachsen, raus aus destruktiven Gewohnheiten, hinein in ein verantwortungsbereites Miteinander.

Worum es dabei nicht geht ist, die Wut "wegzugeben". Sie sinnlos raus zu brüllen, auf Kissen zu schlagen, um sie loszuwerden. Sondern sich diese Energie zu eigen zu machen, um sie konstruktiv zu nutzen und ihr eine Richtung zu geben.

Mich fasziniert dieser Weg. Und ich werde ihn weiter gehen, mich trainieren und sicher wird das ein oder andere auch in meiner Arbeit in seiner Zeit wirksam werden.

Denn: "Wut macht den Raum sicher" für all die anderen kostbaren Gefühle/Energien wie Angst, Freude und Traurigkeit. Für Ent-wicklung. Danke an Dagmar Thürnagel und Martina Unger und an alle die Frauen, die mit mir waren.

Für ein Leben in Kontakt und Leidenschaft.

(Text z. Newsletter vom 19. Oktober 2017)