Raumpflege

Okt. 4, 2026 | Blog | 0 Kommentare

Bei „Raumpflege“ denken wir vermutlich zunächst an Staubsaugen, Wischen und die Frage, wann man eigentlich zuletzt unter dem Sofa sauber gemacht hat. 😉

In diesem Text geht es jedoch um Räume, denen mit einem Putzlappen nicht beizukommen ist.

Beziehungsräume zum Beispiel.

Der Raum zwischen mir und meinen Liebsten. Der Beziehungsraum mit mir selbst.

All diese Räume brauchen Pflege.

Pflege in Form von Entspannung, Entschleunigung und Zeit – als Basis für Begegnung. Möglichst ungestörte Aufmerksamkeit. Präsenz. Manchmal Worte, manchmal Stille. Sanftmut. Manchmal Zärtlichkeit. Und die Bereitschaft, sich immer wieder neu und fühlend einzulassen.

Raumpflege, Sehnsucht und Prioritäten

Druck, Erschöpfung und volle Terminkalender erschweren Raumpflege. Und gleichzeitig ist da diese große Lust auf so vieles.

Unsere Seelen sehnen sich nach vielfältiger Nahrung.

Meine Seele sehnt sich zum Beispiel nach Nahrung in Form von Inspiration, Muse, Intimität, neuen Wegen, Vielfalt, Schönheit und Natur. Nach Lautem und Leisem. Nach Köstlichem. Nach Humor. Nach Stille.

Nach einem offenen Fühlraum für Spiritualität und für all das, was größer ist als ich und mir Tiefe schenkt.

Sie sehnt sich nach Verbindung. Danach, dazuzugehören.

Und sie braucht auch Reibung und Auseinandersetzung, um zu wachsen.

Was meine ich damit?

Wenn zum Beispiel mein Liebster und ich in ein Thema hineinschlittern und jeder von uns die bewusste Entscheidung für sich trifft, sich – für die Beziehung, dem Thema, einander und sich selbst – zu stellen.

Wenn wir bereit sind, dazubleiben. Bereit, schwierige Momente auszuhalten. Manchmal uns von einem Atemzug zum nächsten hangelnd.

Bis dann – oftmals gefühlt aus dem Nichts – etwas in mir, in uns, weicher wird. Entspannung entsteht. Verbindung wieder spürbar wird, die zuvor gestört war. Und korrigierende Erfahrungen im Kontakt möglich werden.

Auch das ist Raumpflege.

Den Raum nicht sofort zu verlassen, wenn es schwierig wird.

Ihn halten. Ihn bewohnen. Ihm Zeit geben, bis sich etwas bewegt und wieder Verbindung entstehen kann.

Beziehung braucht Raumpflege. Und Raumpflege braucht Zeit.

Vollgepackte Terminkalender und lange To-do-Listen erzeugen dagegen zusätzlichen Druck. Und sie verhindern genau den Raum, den Begegnung und Verbindung brauchen.

Und manchmal fühlt sich das wie ein großes Dilemma an.

Denn da sind ja noch so viele andere Bedürfnisse, die gelebt werden wollen und Zeit brauchen: ein Ausflug in die Natur, der Besuch einer Veranstaltung, Kultur, Kontakte pflegen. Der Wunsch, mal wieder ganz in Ruhe in ein Buch einzutauchen oder einem Podcast zu lauschen …

Und dann braucht all das auch noch Zeit, um sich zu setzen und verdaut zu werden.

Verdauungszeit.

Vielleicht ist Raumpflege deshalb viel mehr als das Pflegen eines äußeren Raumes.

Vielleicht geht es darum, immer wieder Räume zu schaffen und zu erhalten, in denen wir uns selbst und einander begegnen können.

Räume, in denen nicht alles effizient sein muss.

Räume, in denen etwas entstehen darf.

Räume, in denen wir nicht schon wieder beim nächsten To-do sind.

Denn vielleicht brauchen wir gar nicht unbedingt mehr Zeit.

Vielleicht brauchen wir mehr Raum in der Zeit, die wir haben.

Und vielleicht ist genau das Raumpflege:

dem, was in uns lebendig ist, Raum zu geben.

Jetzt.

Bereit, an dem Ort zu sein, an dem gerade unsere Füße sind.

 

Gerne begleite ich dich ein (weiteres) Stück deines Weges und biete dir die Möglichkeit zur „Raumpflege“. 
Herzliche Grüße
SAbine